Innenarchitektur studieren
Eine Raufasertapete besitzt zwar immer noch bei manchen Menschen einen gewissen Charme und Anziehungskraft, jedoch ist in den heutigen Zeiten von schwedischen Möbelkombinationen und uneingeschränkter Farbenvielfallt in allen bekannten Baumärkten ein gewisser Trend zu kreativen Zimmer-, Haus oder Wohnungsgestaltung zu spüren. Auch werden in vielen bekannten Privatsendern unzählige Renovierungs-, Umzugs- oder Hilfssendungen für Familien oder sozial benachteiligte Menschen produziert, deren 4 Wände in nur kürzester Zeit in neuem Glanz erstrahlen. Neben der Wanddurchbrechung, Balkonvergrößerung, Dachstuhlausarbeitung und dem Entstehen eines Gartenteiches wird auch mit mindestens genauso viel Liebe zum Detail Dekorationen und ganze „Themenveränderungen“ vollzogen, die bei sehr vielen Zuschauern inspirierend wirken und den Drang zur Veränderung wecken.
Was so leicht im Fernsehen oder in den Zeitschriften wirkt, ist in der individuellen Realität leider nicht ganz so spielend zu verwirklichen. Die Grenzen des Machbaren für Laien sind schnell im finanziellen, kreativen oder handwerklichen Bereich erreicht, so dass nicht allzu selten die gute weiße Raufaser wieder ihren Platz hinterm Billy-Regal findet.
Hartes Studium und keine rosigen Aussichten
Im Studium der Innenarchitektur wird Licht, Klima, Formen und verschiedenen Materialien zum Spielzeug von Kreativität und technischem Know-how. Bei diesem relativ jungen Berufszweig ist vor Studienbeginn jedoch eine allgemeine Hochschulreife vorzuweisen und eine Eignungsfeststellungsprüfung zu absolvieren, die von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich ausfällt. Des Weiteren wird ein Vorpraktikum erwartet, das in Dauer und Inhalt auch individuelle Anforderung gerecht werden muss. Geprüft wird im Speziellen das räumlichen Denken, kreative Vorstellungsvermögen und das Gespür für technische Umsetzbarkeit. Ist diese erste Hürde des Studiums genommen wird im Grundstudium im Allgemeinen auf die ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen Wert gelegt. Bis zu dieser Stufe sind die Studiengänge der allgemeinen Architektur und der Innenarchitektur identisch. Die Felder der Lerninhalte reichen von der antiken Architektur- und Kunstgeschichte bis hin zu modern Computerprogrammen deren Simulationen die Bau- und Raumgestaltung erleichtern sollen. Der Horizont des Aufgabenbereiches überschreitet aber bei weitem den dargestellten Aufgabenspektrum, der im TV so gerne gezeigt wird. Kinderzimmer oder Schlafzimmer gehören eher zu den seltenen Aufträgen eines Innenarchitekten. Wahrscheinlicher sind eher Messedesign, Büro- und Ladengestaltung oder andere größere Projekte in der offenen Wirtschaft. Da der Hauptauftraggeber Unternehmen oder staatliche Institutionen sind, ist die Auftragslage in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise eher nüchtern zu betrachten. Auch die Prognosen verheißen nicht allzu Gutes. Bestehende Gebäudeinvestitionen besitzen außer der Innenarchitektur wenig Sparpotential und bevorstehende Umbau- oder Renovierungsmaßnahmen werden eher in weiter Ferne geschoben als zeitnah realisiert.
Ausweg Spezialisierung
So bleibt vielen (Innen-)Architekten nur der Weg in die Arbeitslosigkeit oder sich in einer freien Nische zu positionieren. Dies ist allerdings auch in vielen Bereichen möglich. Aufgrund der Präsenz in den Medien und den Anregungen, die in den Ferien oder bei Geschäftsreisen im Ausland erworben wurden, arten die Wünsche oft ins Exotische, Ungewöhnliche und vor allem Individuelle aus. Aus dem chinesischen dürfte vielen das Feng Shui oder das Chi geläufige Begriffe sein. Wer die Kunst des asiatischen Energieflusses innerhalb oder außerhalb von Gebäuden vertraut ist, kann sich zumindest auf einen zahlungsbereiten Kundenstamm verlassen, und muss nicht allzu viel Konkurrenz zu fürchten haben. Auch andere kulturelle Einflüsse bieten viel Freiraum für neue und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, deren Repertoire längst noch nicht erschöpft sein dürfte.
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